Unsere Photovoltaik-Anlage

Auf dem Dach unseres Vereinsheims sind 53 PV-Module mit einer Nennleistung von 23,85 kW Peak installiert. Ein 25kW Wechselrichter speist die „Ernte“ in die Verteilung zu den Parzellen ein und versorgt dort Rasenmäher, Wasserpumpen, etc. zur kleingärtnerischen Nutzung. Ein smarter Zähler misst den Verbrauch in Richtung Gärten, ein Zwei-Richtungs-Zähler erfasst Zukauf und Einspeisung auf der Seite zum Versorger. Zuvor wurde noch das alte Asbest-Dach fachgerecht entsorgt und durch ein modernes Edelstahl-Dach ersetzt.

Fazit: Das war eine tolle Entscheidung. Wir erreichen eine sehr hohe Direktverbrauchsquote auch ohne Speicher. Damit ist die Anlage sehr rentabel. Finanzierung über Mitgliederdarlehen.

Foto: Peter Sierigk, Braunschweiger Zeitung

Vorbereitung

Der Impuls kam aus dem Vorstand. Wir hatten die Idee auf der ordentlichen Mitgliederversammlung Anfang März 2024 unter Verschiedenes kurz angesprochen, um ein erstes Stimmungsbild einzufangen. Die Reaktionen waren sehr positiv. Die „Arbeitsgruppe PV“ hat daraufhin ein entsprechendes Konzept (technisch, finanziell, rechtlich, Angebote, Vorgehen, etc.) intensiv und gewissenhaft vorbereitet. Das war jede Menge Arbeit.

Wir haben 7 Firmen aus der näheren Umgebung angeschrieben mit Basis-Infos zu unserem Vorhaben inkl. der Einladung zu einem Vor-Ort-Termin. 6 davon haben geantwortet. Mit 4 davon sind wir in engere Gespräche gegangen und haben uns im Gesamtvorstand plus interessierte Mitglieder deren Angebote präsentieren lassen.

Interessant: Keiner der Anbieter hatte bereits Erfahrung mit Kleingärtnervereinen. In allen Fällen wurden uns Profitabilitäts- und Rendite-Prognosen gezeigt, die auf Wohnhäusern basieren. Alle Anbieter haben einen Energie-Speicher fest in ihr Angebot hineinkalkuliert. Unsere Entgegnung, dass der Verbrauch in Kleingärten deutlich anders sein müsste als zu Hause, haben nur zwei Anbieter ernst genommen. Unsere qualitative Prognose: In Kleingärten folgt der Stromverbrauch der Sonne. Man ist im Garten a) im Sommer, b) tagsüber und c) bei gutem Wetter. Also genau dann, wenn man nicht zu Hause ist.

Daraufhin haben wir einen Sommer lang unsere eigenen Messungen durchgeführt (Zählerstand jede Minute per Smart Meter erfasst) und zusammen mit den Globalstrahlungsdaten des Deutschen Wetter-Dienstes (DWD, 10 minutige Messung der Station 00662: Braunschweig) eine Ertragssimulation durchgeführt, mit 10-Minuten-genauer Berechnung des wandernden Sonnen-Einstrahlwinkels (Azimut und Elevation) gegenüber der Ausrichtung der geplanten Module. Ergebnis der Simulation: In unserer Kleingarten-Anlage müssten wir auf einen Direktverbrauch von ca. 60% kommen (Wohnhäuser meist nur 30%). Ein Speicher hilft uns eher nicht; er kostet mehr als er an Einsparung bringt.

Spoiler: in den 2 Jahren bisherigen Betriebs erreichen wir diese 60% auch.

Die rechtlichen Fragen waren schnell beantwortet: eine Gewerbeanmeldung war nicht nötig, weil Anlage < 30kWp. Eine Baugenehmigung war laut Baubehörde auch nicht nötig, lediglich eine Bestätigung der Statik, dass das Dach trägt. Dies stand bei uns im Rahmen der Sanierung ohnehin an. Steuerliche Effekte waren nicht zu befürchten laut Aussage des für uns zuständigen Finanzamtes.

Mit diesen Informationen sind wir dann in eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 13.12. 2024 gegangen mit dem Antrag, die Umsetzung und Finanzierung der PV-Anlage zu beschließen. Das Votum war überwältigend, seht das Bild mit den erhobenen Händen. Dieses klare „Ja“ zu unserem Beitrag zur Energiewende wurde dann bei Bier, Glühwein und Bratwurst vom Grill noch etwas gefeiert.

Finanzierung

Einen Teil (ca. 25%) haben wir aus der Rücklage des Vereins beigesteuert. Mit diesem Eigenanteil hatten wir eine mündliche Kredit-Zusage unserer Hausbank zu so „lala“-Konditionen; für die schriftliche Bank-Zusage fehlt dann immer noch der Mitgliederbeschluss, den Kredit auch einzugehen, aber dazu kam es gar nicht. Denn die restliche Investitionssumme für die PV-Anlage und Sanierung wurde über Mitgliederdarlehen aufgebracht, die eine Gruppe von Gartenfreunden von sich aus angeboten hat. Diese haben wir mit anwaltlich geprüftem Darlehensvertrag dann realisiert. Zu deutlich besseren Konditionen als bei der Hausbank, die also nicht zum Zuge kam.

Hinweis: Eine Finanzierung über Bank-Darlehen scheint für Vereine auch ohne Sicherheiten (kein Grundbucheintrag möglich, weil Fläche nur gepachtet) realisierbar, weil PV-Anlagen aus sich heraus Rendite abwerfen. Daher geben Baken auch Vereinen Kredite für solche Projekte. Mit Mitgliederdarlehen ist es natürlich nochmal schöner.

Ebenfalls wichtig war die Kredit-Finanzierung für die Zustimmung insb. unter den älteren Gartenfreunden, die daran denken, ihren Garten vielleicht innerhalb der nächsten 5 Jahre abzugeben, also vor der Amortisierung der Investition. Die fragen sich natürlich: „Warum soll ich jetzt für etwas zahlen, von dem ich später gar nicht profitiere?“. Diese Frage ist mehr als berechtigt. Unsere Antwort lautete: „Das ist es ja. Du musst jetzt gar nichts zahlen. Es gibt keine Umlage, wir machen das über ein Darlehen“. Wir erinneren uns noch daran, wie uns nach der damaligen außerordentlichen Versammlung zu diesem Thema ein Gartenfreund folgendes sagte: „Ich bin heute hergekommen mit dem Vorsatz, vehement gegen das Projekt Stellung zu beziehen, wegen der hohen Kosten. Aber euer Vorschlag war so fundiert und professionell geplant vorgetragen, und vor allem ohne Kosten für die Mitglieder … da habe ich am Ende ohne Wortmeldung zugestimmt. Tolle Arbeit! Danke!“

Erfahrungen aus der Praxis nach 2 Jahren

Der Aufbau der PV-Anlage ging sehr schnell. Die technischen Arbeiten waren nach 2 Tagen erledigt. Für die Inbetriebnahme braucht es noch eine Freigabe durch den Versorger. Die benötigten Anmeldungen übernimmt der Lieferant.

Seitdem läuft die Anlage ohne nennenswerte Probleme. Wir können jederzeit online nachverfolgen, wieviel Strom gerade produziert, in den Gärten genutzt, eingespeist oder zugekauft wird. Die akkumulierten Jahres-Zahlen der PV-Anlage decken sich auch mit den Abrechnungen unseres Strom-Versorgers. Das ist also auch für die Buchhaltung einfach.

Und die erste „Analyse und Wartung“ durch die installierende Firma – inklusive Drohnenflug mit Wärmebildkamera-Analyse jedes einzelnen Moduls – nach einem Jahr hat gezeigt: Der Regen hat die Anlage bislang ausreichend gut (selbst-) gereinigt. Alle elektrischen Verbindungen haben die Herststürme überlebt. Alle Module erreichen ihre Nennleistung. Kein Handlungsbedarf. Das Projekt ist also sehr wartungs-arm.

Ansonsten gilt das oben schon gesagte: die Kosteneinsparungs-Erwartungen (Rendite-Ziele) werden erreicht. „Sehr geil“ freut sich der Kassierer!

Ab hier für Nerds

Die eigenen Verbrauchs-Mesungen haben wir mit einem Hichi-Logger (IR-Schreib-/Lesekopf) mit der TASMOTA-Software durchgeführt.

Links:

Der Logger wird dazu auf die beiden „Infrarot-Augen“ des Zählers aufgesetzt, hält magnetisch und zeichnet kontinuierlich die aktuellen Zählerstände (und ggf. vieles mehr) auf. Kostenpunkt ca. 30 Euro, plus USB-Ladegerät. Die Scripte müssen für den jeweiligen Zähler angepasst werden. je nach Zähler-Modell (also mit etwas Pech) muss der Versorger noch eine Freigabe erteilen und eine Einstellung am Zähler vornehmen, damit dieser die Daten auch wirklich liefert. Bei lief uns zum Glück alles gleich so.

Die gelesenen Daten haben wir dann per Vereinsheims-WiFi kontinuierlich an einen selbstbetriebenen Server gesendet und dort (per PHP/mySQL) geloggt. Es gibt auch Lösungen für MQTT, MODBUS, etc..

Viel Spaß beim Basteln!